Kinder stark machen – die Lego-Herausforderung

Junge spielt Lego

Ich bin gerade in der Küche beschäftigt, als aus dem Kinderzimmer ein herzzerreissender Schrei von meinem 3-jährigen Sohn ertönt: „Papaaaaa – koooommm, schnell!“. Hört sich nach einer lebensgefährlichen Situation an. Ich lasse meine Küchenarbeit Küchenarbeit sein und gehe schnellen Schrittes ins Kinderzimmer. Und da sitzt er, mein Sohn, mit wütendem Gesichtsausdruck und voller Tränen vor einem Lego-Duplo-Gebäude und zeigt auf drei nicht verbaute Steine. 

 

„Was ist denn….?“, frage ich. 

 

„Die Steine gehen da nicht hin!“, und er zeigt mir, wo die Steine hin sollen.

 

„Ach so, Du willst diese Steine da einbauen, aber es klappt nicht so, wie du es haben magst?“

 

„Ja, genau!“, schimpft er, „Du machst das!“. Große auffordernde Augen schauen mich an.

 

In meinem Kopf habe ich das Problem gleich gelöst und weiß, was zu tun ist, damit die Steine sich so einsetzen lassen, wie er es will. Es wäre jetzt ein Einfaches, ihm zu Zeigen wie es geht. Oder noch schneller: Es selber machen. In der Küche wartet ein Berg von Arbeit. 

 

Statt dessen höre ich mich sagen: „Nein, beim Lego helfe ich dir nicht. Weil ich weiß, dass du das selber hinbekommen kannst!“. Ich sehe seinen frustrierten Gesichtsausdruck. 

 

Der Widerspruch kommt sofort: „Neeeein, du machst, Papaaa!“

 

Ich wiederhole bestimmt: „Beim Lego nicht, das schaffst du alleine – ich mache jetzt meine Küchenarbeit weiter und komme danach noch einmal zu dir…“ – darauf drehe ich mich um und bin gleich darauf wieder in der Küche tätig. Einige Minuten lang höre ich noch seine Proteste und spüre dabei mein schlechtes Gewissen, weil ich ihm nicht geholfen habe. 

 

Dann wird es aus dem Kinderzimmer still, während ich in der Küche klappere. 

 

Als ich eine Viertelstunde später wieder im Kinderzimmer bin, liegt mein Sohn auf dem Boden. Zuerst denke ich – „Oh je, er ist frustriert und hat es nicht hinbekommen!“. Aber dann findet ein müdes aber zufriedenes Lächeln den Weg auf sein Gesicht, als er mit einer Hand zu seinem Lego-Gebäude zeigt. Die drei Steine sind verbaut.

Ich spüre, dass ich mir innerlich gratuliere. Dafür, dass ich standhaft geblieben bin. Denn dadurch haben wir beide etwas gelernt: Mein Sohn hat gelernt, mit seinem Frust umzugehen. Er hat an Selbstbewusstsein gewonnen dadurch, dass er selber eine Lösung entwickelt hat. 

 

Und ich habe gelernt, wann es gut ist, meinen Helferimpuls nicht auszuspielen, um dem Nachwuchs sein Lernfeld zu lassen. 

 

Wahrlich keine leichte Übung.

 

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Autor: Martin Bucher. Finde Martin in unserer Team-Übersicht

Bildquelle: Lizenzfreie Stockfoto-Nummer: 1718533792 von Standret

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